Die Lichtenberger® Methode – Grundlagen der Stimmbildung
Die Stimme im Klang   —   John Weise
Die Stimme im Klang
John Weise

Seminare & Einzelunterricht

Lichtenberger® Methode

Das Lichtenberger® Institut für angewandte Stimmphysiologie wurde 1982 von Gisela Rohmert (Sängerin/Gesangspädagogin) und Dr. Ing. Walter Rohmert (Professor für Arbeitswissenschaft TU-Darmstadt) gegründet. Ausgangspunkt war 1980 ein Forschungsprojekt am Institut für Arbeitswissenschaft der TU Darmstadt.
Mit umfangreichen physiologischen und akustischen Messmethoden wurden die Vorgänge bei Gesang und Instrumentalspiel erfasst. Zahlreiche Körpertechniken und physiologische Modelle wurden in ihrer Wirkung auf den Stimmklang untersucht.
Freiheit und Leichtigkeit des Singens, großer Stimmumfang und weitgehende Altersunabhängigkeit waren das anfängliche Postulat. Damals hieß das Institut noch „Lichtenberger Institut für funktionales Stimmtraining“.
Ein erweitertes Verständnis der Beziehung des sensorischen Nervensystems zum Klang führte zu einem neuen Ansatz in der Stimm- und Instrumentalpädagogik.
[entnommen der Selbstbeschreibung des Instituts]

Beeindruckend ist das Wissen über stimmphysiologische Funktionszusammenhänge und die sensorische Regulation durch die verschiedenen Nervenzentren, die in Umfang und Tiefe möglicherweise einmalig sind. Faszinierend auch die Unterrichtsmethode, die auf Stimmulation und Selbstregulation setzt. Sie bedient sich, durch Intuition und Empathie geleitet, eines tiefen Wissens um die Vorgänge des Singens (und des Lebens generell), die in jedem Menschen strukturell verankert sind.
Ein wesentlicher pädagogischer Aspekt der Lichtenberger® Methode ist die Stimmulation des Systems „Sänger“, in Abgrenzung zu seiner Manipulation. Es sollen Prozesse im synergetischen Sinne angestoßen werden, hin zu einer Selbstregulation der Stimme. Also einer Regulation aus sich selbst heraus. Dagegen steht die Manipulation, die versucht von außen her zu regulieren, was nicht richtig „funktioniert“. Besser ausgedrückt, das Singen der Erwartung von definierten Normen anzupassen, die nicht aus den Stimmprozessen selbst stammen, sondern von außen eingebracht werden. Gisela Rohmert führt dazu aus: „Der Stimmulationssender (Pädagoge) scheint aus einem größeren, flexibleren Konzept heraus zu agieren, der Manipulationssender (Trainer) bewegt sich in einem engeren, ‚orthodoxen’ Rahmen. In der Stimmulation wird die Regel nicht fest definiert, während die Manipulation eine Regel aus ihrem Umfeld herauslöst. Die Stimmulation riskiert eine andere als die erwartete Antwort (verbal-nonverbal), die Manipulation definiert sich über das festgelegte Ziel.“[„Der Sänger auf dem Weg zum Klang“, Lichtenberger Musikpädagogische Vorlesungen, Gisela Rohmert, Zeitschrift für Arbeitswissenschaft, 1991, S. 52/53]
So hat ein (manipulatives) Trainingsmodell in der Regel einfach zu verstehende Lösungen zur Hand, die ein begegnetes sängerisch- oder instrumental-technisches Problem zu lösen gedenkt, in dem es das Problem aus seinem Kontext und Umfeld heraus isoliert. Es löst das betrachtete Problem aber nicht wirklich. Wie oft erlebt man, dass solch ein „Trick“, wenn er denn „funktioniert“, am nächsten Tag, oder nächste Woche nicht mehr funktioniert. Oder er funktioniert immer nur im Unterricht, aber selten beim häuslichen Üben, oder er funktioniert beim Üben, aber nicht mehr bei einem Auftritt oder Konzert. Die Rahmenbedingungen, in die eine Problemstellung immer eingebettet ist, sind außer Acht gelassen. Diese Können die Problemkonstellation aber erheblich verändern. Eine stimmulative Pädagogik braucht in der Regel vielleicht länger, um Probleme zu lösen, dafür aber nachhaltiger und stabiler und vor allem mit einem qualitativ anderen Ergebnis. Ein weiterer Vorteil: Weil die Regulation aus der Stimme selbst heraus geschieht, hat der Musiker den Kopf frei von offensichtlichem oder unterschwelligem Leistungsdruck für kreative Begegnungen mit der Musik, sich selbst und den Zuhörern.
Frau Rohmert schreibt weiter: „Die Stimmulation beruht auf einem Eingabe-Antwort-Modell. Kein Pädagoge kann genau wissen, welches Element oder welche Ebene er im ‚System’ Sänger am stärksten in Bewegung gebracht hat. Vielleicht hat er über einen Vorschlag, der den Klang betrifft, eine gewohnte Körperbewegung verschoben oder eine bestimmte Emotion angeregt, eine Frustration ausgelöst oder das Konzept des Sängers irritiert. Vielleicht hat er, ohne es zu beabsichtigen, eine Destabilisierungsphase oder eine Fluktuation eingeleitet (im synergetischen Sinne ein Glücksfall), die auf keinen Fall rückgängig gemacht werden sollte.“ Und: „Während der ‚Trainer’ hart am Thema entlang handelt (manipuliert), versucht der ‚Pädagoge’, den Antrieb im Menschen, alle Ebenen zu einer Einheit zu verschmelzen, dadurch zu unterstützen, dass er auch alle diese Ebenen in dem Stimmulationsvorgang mit einbezieht: Körper, Sinnesorgane, Imagination, Psyche, Geist.“
Als Schlagworte des Unterrichts könnte man nennen: sensorische Wahrnehmungsschulung, prozessorientierte Vorgehensweisen, Stimulation von Selbstregulation, Wissen um Synergieeffekte, „Innerer Lehrer“, große Einfachheit in starker Komplexität, Differenzierung durch Lösung von Druck oder „sich im Sein befinden und nicht im Handeln“ u. a.

Der Versuch den Unterricht zu beschreiben, kommt der Realität des Unterrichts sowie der empfundenen Bedeutung nur unklar nahe. Jeder Schüler würde wahrscheinlich sehr unterschiedliche Aspekte des Unterrichts als herausragende Punkte hervorheben. Aber für jeden ist die Beschäftigung mit der eigenen Stimme auf dieser Grundlage äußerst spannend, anregend, wohltuend und entwicklungsfördernd.

Das Verstehen kommt durch das Erleben im Tun.